Ein Satz pro Tag

Über die Idee „One Line a Day“ habe ich schon länger nachgedacht –

 

nicht die großen Geschichten, nein, der Versuch, den Tag in einem guten (gut formulierten) Satz  zusammenzufassen. Vielleicht mit einem Foto dazu… In einer Zeitschrift las ich gerade darüber, dass manche Menschen sich die Sätze in einem schönen Buch sortieren. Finde ich auch toll, aber ich möchte gelegentlich gerne Fotos dabei haben.

 

Und gleich heute fange ich an. In einem Extrapost, wegen des Sortierens.

Und, hat einer Lust, mitzumachen??? Würde mich freuen!

 

 

 

Lesekiste…

Ich werde bald meine Büchervorstellungen, Rezensionen, Beiträge zu Schreibprojekten et zeh terra auf einem neuen Blog/ ein neues Blog bündeln. Ich habe den Titel zwar schon gebucht, steht aber noch nix drin… Ich arbeite noch an dem Konzept. Aber – obwohl ich finde, dass Schlaf ja allgemein überschätzt wird und ich morgens schon gerne so um pfiertel nacch pfümpf aus dem Bett krieche hoppse – es dauert vielleicht noch ein paar Wochen Tage… Vielleicht findest du es ja – das neue Blog… Alle, die dort eine Nachricht hinterlassen, nehmen an einer bomfationösen Verlosung statt! Ihr merkt, ich arbeite jetzt mit einem Marketing – Strategen zusammen, grinzzzz…

Vom Nutzen eines Kerzenhalters

Bevor ich nun in den Urlaub verschwinde, mein Beitrag zu follygirls Schreibprojekt. Viel Spaß beim Lesen und bis dann! Nach meiner Rückkehr werde ich mich dann genüßlich durch die anderen Geschichten lesen, bin schon sehr gespannt.

 Vom Nutzen eines Kerzenhalters

Aufatmend ließ ich mich auf das Sofa fallen, was war das für ein verrückter Tag gewesen, und griff nach der Fernbedienung. Mal sehen, was darüber so im Fernsehen berichtet wurde. Meine treue Freundin Tini ließ schon mal den ersten Sektkorken knallen. Ich verstaute derweil die Plastiktüte sorgfältig im Sofakissen.

Dabei hatte es morgens um sieben so ausgesehen, als sei die Welt noch in Ordnung. Wie immer etwas in Eile sauste ich die zahlreichen Treppenstufen nach unten – „Sport hält fit“ war mein Motto, seit der Fahrstuhl vor einem halben Jahr seinen Geist aufgegeben hatte. Mein kleines  Mofa stand schon vor der Tür und wartete auf mich. Ja, auch wenn es der eine oder andere nicht glauben mag, es war ein treues und zuverlässiges Gefährt, das Geheimnisse für sich behalten konnte.

Nachdem mein Lebensgefährte vor einem halben Jahr erkannt hatte, dass wir uns auseinandergelebt hatten (er hatte also mit anderen Worten eine Freundin, zwei Kleidergrößen weniger als ich, aber D – Körbchen), musste ich mich mit meinem kleinen Kiosk über Wasser halten, denn neben Egbert  war auch ein großer Teil meiner Ersparnisse verschwunden. Nun denn, mit Hilfe meiner treuen Freundinnen, wobei besonders Tini mich mit immer neuen Verkaufsideen versorgte, lief mein kleiner Kiosk wie geschmiert. Ich konnte sogar darauf verzichten die Blöd – Zeitung anzubieten. Dafür gab es belegte Brötchen, selbstgemachten Kaffee und bei Bedarf Beratung in allen Lebenslagen.

Tini hatte neben der kleinen Verkaufsbude auch einen knallroten Stehtisch aufgestellt und ihn mit allerlei Klimbim dekoriert. Mein Geschmack war es eigentlich nicht so, aber die Kunden sprach es an und so manches schöne Gespräch hatte sich am „runden Tisch“ schon entwickelt.

Ein nassgrauer Novembermorgen hielt die Menschen in ihren Häusern zurück und so stand ich allein in meinem Mini – Kiosk  und sortierte im Licht meiner einzigen trüben  Funzel die Zeitschriften, als der Türgriff langsam nach unten ging. Das allein machte mich noch nicht stutzig, doch als auf mein lautes „Hallo“ keine Antwort kam, sah ich mich schon nach einem Fluchtweg um. Es gab keinen. Es sei denn, ich würde mich mit einem Hechtsprung aus dem Verkaufsfenster stürzen. Das war allerdings noch geschlossen und da ich – sagen wir mal, eher eine vollständige Statur besitze, wäre dieser Versuch wohl auch sonst nicht unbedingt von Erfolg gekrönt gewesen.

Langsam öffnete sich die Tür, eine dunkel gekleidete Person mit tief ins Gesicht gezogener Mütze drängte sich in den engen Raum und hielt mir (und das war wirklich kein sehr angenehmes Gefühl) mit der einen Hand ein recht gefährlich aussehendes Messer an den Hals und mit dem Arm meinen armen Hals im Schwitzkasten.  Rumms – wir lagen auf dem Boden, was unter anderen Umständen sicher für Heiterkeit gesorgt hätte. Nun aber hatte ich, gelinde gesagt, echt Schiss.

Mein gesunder Menschenverstand fragte sich, was dieser Kerl von mir wollte, Einnahmen hatte ich nun wirklich noch nicht vorzuweisen, ein geeignetes Entführungsopfer war ich auch nicht (es war zu bezweifeln, dass Egbert auch nur einen Cent für mich bezahlen würde) und dass  ich nun der Traum schlafloser Nächte dieses Vermummten war, schien mir eigentlich auch nicht sehr wahrscheinlich.

„Runter“, krächzte die Gestalt und drückte mich mit erheblicher Kraft noch mehr  zu Boden. Während er so auf mir lag (der Kiosk ist wirklich klein) und dabei nicht vergaß, das Messer an meinen Hals zu halten, hörte ich Polizeisirenen, die anscheinend immer näher kamen. „Schnauze“ grunzte der Mann, völlig unnötig, denn ich war wirklich nicht fähig, auch nun einen Pieps von mir zu geben. Scheinbar hatte der Lump etwas ausgefressen und wollte sich bei mir verstecken. Ewige Zeit verstrich. Ich  durchdachte inzwischen noch mal mein Leben, und stellte fest, dass ich durchaus sehr gerne lebte und dieses auch noch weiter zu tun gedachte.

Nichts war zu hören, nur der übliche Straßenlärm, die Polizisten machten wohl Frühstückspause. Oder würde gleich jemand durchs Megaphon rufen: „Lassen sie die Geisel frei – sie sind umzingelt!“ ……Nichts…..

Dann Stöckelschuhe, Tinis Stimme: „Hallo Bille -Schätzchen (sie meinte mich), „ich bring dir gleich den bestellten Kerzenhalter!“ Mannomann, was redete sie da für einen Quatsch, aber überhaupt ihre Stimme zu hören war das Schönste, was ich mir im Moment vorstellen konnte. Irgendwas führte sie im Schilde, da war ich mir sicher „ Ach, du bist wohl noch nicht da?“ Aus den Augenwinkeln, sah ich sie mit ihrem Taschenspiegel in den Kiosk spähen. Das Geräusch ihrer Stöckelschuhe entfernte sich. Ruhe vor dem Sturm? Im spürte, dass sich die Tür langsam öffnete, hatten wir das nicht schon mal heute? Ich spannte meine Muskeln an.

Mit der Kraft einer emanzipierten Tigerin stürzte Tini rein und schlug den gusseisernen Kerzenhalter (ich sage nie wieder was zu ihrem Dekofimmel, hatte dieses wunderbare Stück doch bislang den Stehtisch verschönert) mit Karacho auf den Hinterkopf des auf mir liegenden Herrn. Gleichzeitig befreite ich mich mit einem schwungvoll angezogenen Knie von diesem Ballast.

Jetzt kamen auch die Polizisten aus der erholsamen Frühstückspause zurück, sagten was von „Banküberfall, flüchtiger Täter“ und so weiter, beschimpften Tini wegen ihres „unverantwortlichen Auftretens“ und transportierten den immer noch ohnmächtigen Räuber auf einer Trage in den Krankenwagen. Tot war er wohl nicht, ein bisschen hätte ich ihm das schon gegönnt.

 Ja, so kann es kommen. Meine Oma sagte ja schon immer „Unrecht gut gedeihet nicht.“ Mein Mitleid hielt sich in Grenzen.

 Als ich später mit Tini den doch etwas blutverschmierten Boden im Kiosk  feudelte, fanden wir eine kleine Plastiktüte mit einem nicht uninteressanten Inhalt, sagen wir mal so 10.000 Tacken! Und niemand kam, um es zu holen!

Der Bankräuber hatte wohl durch den gezielten Schlag eine Gedächtnislücke und behauptete gegenüber der Polizei, er habe das Geld bei der Flucht über die Brücke geworfen. Oder konnte man es als kleine Wiedergutmachung verstehen??

Aber darüber schweigen wir wohl  – vielleicht reicht´s für einen wie Tini sagt  „verdienten“ Erholungsurlaub in Südfrankreich.

Entschuldigung, Oma! 

Prost, Tini!