Was uns wirklich nützt – Fortsetzung

Zu dem Spruch „Alles was uns wirklich nützt, ist für wenig Geld zu haben…“ möchte ich noch eine Geschichte beisteuern, die schon länger zurückliegt, aber mir heute noch gut im Gedächtnis ist.

Vor vielen, vielen Jahren bekam meine beste Freundin ein Baby. Ihr fehlte neben dem Vater des Kindes auch das Geld für ein superschickes Babyoutfit. Aber das war kein Problem, alles was sie brauchte, konnte sie von Freunden leihen oder günstig abkaufen. Sie konnte dem Kind trotzdem „alles“ bieten, angefangen von Geborgenheit über Ausflüge, Treffen mit anderen Babys und was es noch so zu tun gab.

Nebenan wohnte in diesem Mietshaus eine junge Familie, das Kind etwa im gleichen Alter wie das meiner Freundin. Kinderwagen, Sportkarre, einfach alles war absolut der neueste Schick . Die ehemals dunkelbraune Sportkarre mit ausgeblichenen orangefarbenen Motiven, in der die Freundin das Baby ausführte, war eine echte Scheußlichkeit dagegen. Aber das störte sie nicht im geringsten.

Eines Tages kam ich mit der jungen Nachbarin ins Gespräch: „Wir kriegen die neuwertige Babyausstattung vom Sozialamt bezahlt, es wäre ja auch peinlich, wenn wir mit so einer alten Karre fahren würden.“

Da erscheint die Frage „Was nützt uns wirklich?“ noch einmal in einem anderen Licht. Es kommt immer darauf an , wo man steht.

 

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13 Gedanken zu “Was uns wirklich nützt – Fortsetzung

  1. Ja, in dieser Situation steht der Satz in einem ganz anderen Licht. Dem Kind ist es sicherlich wurscht worin es gefahren wird und in welchen Klamotten es steckt.

  2. Oh, das ist fuer mich ein Reizthema! Hartz4-Empfaenger haben ausser Unterhalt Miete und Nebenkosten noch einiges an Ausgleich und Verguenstigungen in speziellen karitativen Geschaeften und Tafeln, bei Pflege, Medikamenten und Hilfsmittel und aussergewoehnlichen Belastungen, bei Rundfunkgebueren um mal etwas zu nennen. Leute die wie ich ihr Hartz4 mit mehreren Jobs gerade mal selbst verdienen haben diese Verguenstigungen alle nicht. Hrtz4rer werden auch beim Jobcenter gefoerdert und bekommen alle moeglichen Hilfen, auch wenn es oft Geld rausgeschmissen ist. Die Miniloehner bekommen nix dergleichen!!! So, und dann muss ich mir von H4-Fuzzis sagen lassen dass ich ja bloed und selber Schuld sei zu arbeiten und mir das recht geschieht so leben zu muessen!
    Es scheint wohl zu stimmen, dass viele nur deshalb nicht arbeiten „koennen“, weil Verguemstigungen floeten gehen, weil das Verdienst am H4 abgezogen wird was ihnen, wie sie meinen, selbstverstaendlich zusteht!
    Kuerzlich kam eine Doku ueber Massnahmen wie Theaterworkshops, coaching und dergleichen im Vergleich zur Sozialhilfe in den Niederlanden. Hier ein kleiner Einblick. Die Doku finde ich gerade nicht:
    http://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Arbeitslose-foerdern-und-fordern-article2247371.html
    Da koennte man doch mal drueber nachdenken.

  3. Es mag ja sein, das es so einiges gibt vom Amt, nichts desto Trotz ist ein Leben von HartzIV alles andere als würdig. Ich habe das selber erlebt. Leider hat Isa Recht, noch mieser dran sind die, die als Aufstocker gelten und bei den vielen staatlich subventionierten Arbeitsplätzen sind das nicht wenige, die natürlich in keiner Statistik auftauchen.
    Trotzdem habe ich was gegen dieses Bild, die, die nicht arbeiten, kriegen alles hinten reingeschoben. Das stimmt so einfach nicht und wenn ich über eins in meinem Leben froh bin, dann darüber, das ich seit 5 Jahren aus der HartzIV Mühle raus bin.
    Es gibt vielleicht eine Erstausstattung für´s Kind, aber wieviele Kinder gehen ohne Frühstück zur Schule, weil das Geld nicht reicht und die Eltern wenig motiviert sind. Da hört die staatliche Hilfe dann nämlich auf. Nicht umsonst haben Einrichtungen wie die Arche einen enormen Zulauf und ohne private und kirchliche Initiativen sähe es für viele Betroffene noch düsterer aus.
    Aber das ist vielleicht ein bißchen am Thema vorbei. Ich denke, was an dieser Geschichte so deutlich wird, das es viel wichtiger, wieviel Wertschätzung so ein Kind bekommt, Geborgenheit und LIebe und das es da völlig wurscht ist, wie alt der Kinderwagen ist, in dem es liegt.

    • Ein Bild, dass die die nicht arbeiten, „alles hinten reingeschoben kriegen“ wollte ich hier nicht aufzeigen. Eher die Haltung und Einstellung, wie die im Kinderwagenbeispiel. Wenn es nach mir ginge muessten Kinder auf jeden Fall besser gestellt werden. Wenn man mal ein paar Jahre mit den unterschiedlichsten Hartz4 Menschen gearbeitet hat, dann trifft man dabei eben auch auf viele die sich nicht auf die beschraenkten finanziellen Mittel einstellen und die auch keinerlei Hilfe zur Selbsthilfe annehmen, sondern nur darauf schauen, was ihnen „zusteht“ und wo man das bekommt. Da muss man sich doch mal fragen, warum das so ist?

      Es sind nicht mal die Aufstocker, denen keine weiteren Hilfen zustehen, sondern es sind die Menschen die sich ohne staatlich subventionierte Arbeitsplätze in Eigeninitiative ueber Wasser halten. Von denen redet niemand. Denen zeigt man im Jobcenter die kalte Schulter, wenn sie sich arbeitssuchend melden um auf den 1. Arbeitsmarkt zu kommen. Das sind die Menschen die staendig Gefahr laufen erst ihre KV und dann ihren Wohnsitz zu verlieren. Es geht mir im Kommentar nicht darum wer am Aermsten dran ist oder wer am Unwuerdigsten behandelt wird. Sondern darum dass Motivation und Selbsthilfe von Minijobern wieder auf den 1. Arbeitsmarkt zu kommen regelrecht abgestraft wird, weil durch diese Menschen gerade keine Kosten fuer den Steuerzahler entstehen. Darauf stellen sich die meisten arbeitslosen Menschen denen ich hier begegne dann zwangslaeufig auch ein.

      • Es wird immer die geben, die sich einrichten und die, die nichts unversucht lassen, da raus zu kommen. Ich bin eh für das bedingungslose Grundeinkommen, dann kann man sich den ganzen Verwaltungsapparat sparen und die, die mehr vom Leben wollen, könnten das für sich suchen und finden. Aber das ist wieder eine andere Baustelle.
        Mir ging es auch nur um den Aspekt, wie Dir vermutlich auch, das nicht alle Menschen entscheiden können, ob sie für etwas Geld ausgeben oder nicht, weil sie es schlicht nicht haben und schon das ganz alltägliche zum Überlebenskampf wird.

      • Um noch einmal auf das Zitat zurückzukommen, ich halte die Grundaussage von Muthe (natürlich zu einer anderen Zeit getroffen) für die meisten von für richtig und bedenkenswert. Nämlich: Brauchen immer mehr Dinge um uns, muss alles immer größer, toller usw. sein??? Umgebe ich mich auch mit Dingen, die mir wichtig erscheinen, es aber nicht sind??

      • Ich habe mich ja auch mehr auf den Punkt bezogen, das das Nötige günstig zu haben ist. Darüber nachzudenken, was brauche ich wirklich, stünde vielleicht jedem gut zu Gesicht. Ich habe natürlich viel zu viele Dinge, die ich nicht wirklich brauche, aber manche machen das Leben einfach schön und ich möchte auch nicht den ganzen Tag arbeiten, um nur in Askese zu leben. Frage ist doch, was hab ich davon, das ich mir überlege, brauche ich das wirklich? Manchmal macht es auch einfach Spaß, Dinge zu kaufen, die man nicht braucht, wie diese komischen Becher gestern.
        Da wo der Konsum bedenklich ist, weil er Mensch und Erde schadet, da ist natürlich Nachdenken angesagt und ehrlich gesagt, fände ich es viel wichtiger, wenn mehr Menschen z.B. über ihre LEBENSMITTEL nachdächten, als vielleicht über den ein oder anderen Unfug, den wir so kaufen.

      • Bei den Lebensmitteln gibt es wirklich ganz großen Unfug, ich sehe jeden Tag, was die Kids an gefärbten und verarbeiteten, doppelt eingepackten Produkten als „Pausenbrot“ mit zur Schule nehmen, es ist eine Schande!

  4. Aus dem Zitat ziehe ich ganz auf mich allein bezogen die Anregung darueber nachzudenken woauf ich rein kommerziell verzichten koennte. Und wenn ich weiter in die Thematik eindringe dann zieht es mich durch viele Lebensanschauungen, durch Politik und Gesellschaft. Ich komme da gar nicht dran vorbei.

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